Zarte Lieder einer enttäuschten Tänzerin _______________________________________________________

Susi Varmings Debut-CD

Eine frische akkustische Neuheit an der Plattenfront ist uns in die Hände gefallen: "Barfuß im Schnee" heißt die Platte, mit der die aus Spitzbergen kommende Susi Varming herausgekommen ist, in der Übersetzung.

Von Odd Magne Hansen

Aber hier geht alles auf Englisch. Und es beginnt stark mit dem Lied "Eli":

Das Vorspiel von Susi an der akkustischen Gitarre und Frank Øverland am Bass schickt uns weit zurück - in die Zeit, als Joan Baez top war und Bob Dylan in Woodstock wohnte. Aber wenn Susi singt ertrinken alle Vergleiche mit Joan. Die Stimme wechselt zwischen heiser und verletzt-aggressiv. Der Himmel spielt eine wichtige Rolle in diesem Lied, aber dann kommt der Mann und nimmt dem Erzähler den Atem. Eli ist wohl der Name der Frau in diesem Lied, aber hier wechselt es fast Dylanisch zwischen der 1. und 3. Person. Oder ob Eli auf ein entferntes Fremdwort anspielt? Man kann die Sängerin fast verdächtigen, den Mann in diesem Stück eliminieren zu wollen! Oder geht sie selbst zugrunde?

Die CD beginnt also verheißungsvoll, aber nach den drei ersten Liedern wird es zahmer. Susi hat versucht, den musikalischen Ausdruck zu variieren, schafft es aber trotzdem nicht, das Interesse des Zuhörers im Netz der Musik gefangen zu halten.

Sie hat das Meiste selbst gemacht, hat sämtliche Texte und Melodien geschrieben, singt, spielt Gitarre und hat die meisten Stücke selbst produziert und arrangiert.

Das, was sie am besten kann, ist singen. Die Arrangements und Melodien erreichen Zweitliga-Niveau, um uns an die Fußballsprache zu halten. Die Texte dagegen sind stark im Ausdruck, die Bilder sind gut und der Sound in der Seele und auf der Platte ist erstklassig.


Der Mann in manchen von Susi
Varmings Liedern hat eine ziemlich
schwarze Seele.
Foto: Odd Magne Hansen
Aber - das ist ein aber: Die Texte können sprunghaft wirken, eine Reihe starke und tiefsinnige Einzelaussagen häufen sich, ohne daß es für den Zuhörer immer leicht ist, eine "story", oder einen Zusammenhang, zu finden. Die Bilder und die Songlines bleiben etwas in der Luft hängen, wenn man nicht viel Energie und guten Willen aufbringt, sich in den Sound und die Gefühle einzuleben.

Doch - das ist eine herrliche Ausnahme: In "Who are you?" wird eine Geschichte über ein Treffen in einer alkoholisierten Umgebung erzählt, langsam, schmerzlich und bluesartig. Die Mitwirkenden Pål Morterud am Bass, Tor Øyvind Syvertsen an der Gitarre, Stene Osmundsen mit der Percussion und Jostein Hustveit an den Trommeln verbreiten eine sehr schöne Stimmung.

Das Titellied, welches das letzte auf der Scheibe ist, deutet darauf hin, daß die Frau, die barfuß im Schnee verlassen wird, trotzdem nicht zugrunde geht. Dort heißt es daß "I have seen the lack of faith in every face I know" und "broken dreams are scattered on the floor, and dancing without shoes not recommended anymore", aber trotzdem ganz am Schluß:"but I will carry on no matter what´s been done to me".

Susi Varming ist unzweifelhaft eine Frau mit einer Blues-Seele, die aus sich herausgehen kann, und sie hat eine ausdrucksvolle Stimme. Wenn die Melodien besser werden und die Tekste greifbarer für den einfachen Zuhörer, kann das etwas werden. Die Gerüchte erzählen, daß sie eine Rock-CD vorbereitet, und wenn die Arrangements gut werden, kann es sich möglicherweise zeigen, daß ihre Stimme und ihre Art, diese einzusetzen, sich noch besser präsentieren wird, wenn es mehr ins Rockige geht. Wir vermuten auch, daß dieses Genre auch besser zum Temperament der Taucherin und Wasserskifahrerin Susi Varming passen wird.

Die Platte wird direkt vertrieben mit Internetadresse www.susivarming.no, und die Produktion hat ein kristallklares Lautbild geschaffen - etwas, dem bei den meisten wohl keine Gerechtigkeit gezollt wird, wenn man die Platte von einer MP3-Datei hört.

PS: Wir wurden nun darauf aufmerksam gemacht, daß "eli" hebräisch ist und "mein Gott" bedeutet. Jesus sagte am Kreuz."Eli, eli, lama asbthani?" = "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

Ins Deutsche übersetzt von Beate Milerski

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